Bulgarien hat sich in kürzester Zeit zu einem der attraktivsten Märkte für Battery Energy Storage Systems (BESS) in Europa entwickelt. In diesem Marktüberblick erfährst du, was den BESS-Boom in Bulgarien antreibt, welche Erlösmodelle sich bieten und welche Herausforderungen es gibt.
Grundlegendes zum bulgarischen Strommarkt
Das Stromsystem Bulgariens war jahrzehntelang von Kohle und Kernenergie geprägt. Mit dem EU-Beitritt des Landes 2007 begann eine schrittweise Marktliberalisierung und die Einführung erster Förderungen für erneuerbare Energien. Das führte Anfang der 2010er-Jahre zu einem subventionsgetriebenen Boom bei Solar- und Windkraft, der dann aber durch Kürzungen der Einspeisetarife deutlich ausgebremst wurde.
Erst mit den EU-Klimazielen, dem European Green Deal und insbesondere dem Nationalen Energie- und Klimaplan (NECP) nahm die bulgarische Energiewende wieder Fahrt auf.
Laut Aurora Energy Research hat Bulgarien sein für 2025 gestecktes Ziel hinsichtlich erneuerbarer Energien erreicht: Sie machen inzwischen rund 35 % der installierten Kapazität aus. Bis 2030 soll sich die erneuerbare Kapazität (vor allem durch starkes Solarwachstum) nahezu verdoppeln. Bis dahin wird erwartet, dass die Stromnachfrage im Land auf etwa 50 TWh steigt.
Status quo: Wo steht der Markt für Batteriespeichersysteme in Bulgarien?
Batteriespeichersystemen gelang in Bulgarien 2025 der Durchbruch. Laut dem jährlichen EU Battery Storage Market Review von SolarPower Europe belegte das Land Platz 3 in der EU bei neu installierter Batteriespeicherkapazität: Mit rund 2,5 GWh Zubau lag Bulgarien nur hinter Deutschland (6,6 GWh) und Italien (4,9 GWh). Das entspricht einem BESS-Zuwachs von über 1.100 % gegenüber 2024 (rund 200 MWh). Damit war das Balkanland der am schnellsten wachsende BESS-Markt in Europa.
Auch was Co-Location-Anlagen angeht sieht Aurora Energy Research das Land vorne: Bulgarien belegt mit Großbritannien Platz 2 im Ranking der attraktivsten europäischen Co-Location-Märkte.
Für Batteriespeicher hatte der bulgarische NECP ursprünglich ein Ziel von 1,28 GW bis 2030 formuliert. Bereits heute wurden laut Aurora Energy jedoch über 14 GWh an Speicherkapazität über Auktionen vergeben.
Besonders eindrücklich wird die Dimension dieses Ausbaus, wenn man die installierte BESS-Leistung von aktuell über 4 GW ins Verhältnis zur tatsächlichen Stromnachfrage des Landes setzt: Bulgariens Lastkurve bewegt sich je nach Jahres- und Tageszeit zwischen rund 4 und maximal 7 GW .
Auch bezogen auf die Erzeugungsseite zeigt sich die enorme Durchdringung: Bulgarien führt mit einem Anteil von 16 % Batteriespeicherleistung am gesamten Stromsystem die weltweite Rangliste an (auf Platz 2: Kalifornien mit 14 %). Batteriespeicher decken damit über 46 % der kombinierten PV- und Windkapazität des Landes ab.
Fakten zu BESS in Bulgarien auf einen Blick (Stand Juli 2026):
- Installierte Kapazität: ~ 4,5 GW
- Zugebaute Kapazität 2025: 2,5 GWh (+1.100 % zu 2024)
- Anteil am Stromsystem: 16 %
- Pipeline: 14 GWh vergeben

Warum boomen BESS in Bulgarien?
Der Speicherboom liegt im massiven Solarzubau begründet: Bulgarien verfügt laut dem dortigen Übertragungsnetzbetreiber inzwischen über eine PV-Kapazität von über 6 Gigawatt, was 32,7 % der installierten Erzeugungskapazität des Landes entspricht. Die Folge sind anhaltende Null- und Negativpreisphasen an sommerlichen Mittagen. Dieses Marktsignal schafft einen unmittelbaren Anreiz, Solarstrom zwischenzuspeichern und zeitversetzt zu vermarkten.
Zusätzlich zum Marktpotenzial hat vor allem die staatliche Förderung den bulgarischen BESS-Markt in kurzer Zeit skaliert. Über den bulgarischen Recovery and Resilience Plan (RRP) wurden 2024 zunächst Fördermittel für co-located Batteriespeicher vergeben. In den ersten beiden Ausschreibungsrunden wurden rund 1,18 GW Batteriespeicher in Kombination mit 3,1 GW Solarleistung bezuschusst. Da die Projekte bis März 2026 in Betrieb genommen werden mussten, entstand eine große kurzfristige Nachfrage nach Speichersystemen und beschleunigte die Entwicklung von Co-Location-Projekten.
Mit dem RESTORE-Programm folgten anschließend Ausschreibungen für Standalone-Batteriespeicher. Die Förderung deckte bis zu 50 % der Investitionskosten. In zwei Runden wurden so insgesamt rund 14 GWh Standalone-Speicher gefördert.
Erlösmöglichkeiten: Wo verdient ein bulgarischer Batteriespeicher Geld?
Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, in denen historisch Systemdienstleistungen die BESS-Erlöse dominierten, treibt in Bulgarien vor allem die Volatilität der Großhandelspreise die Wirtschaftlichkeit an.
Day-Ahead- and Intraday-Arbitrage (Wholesale Arbitrage)
Die Handelsoptimierung am Spotmarkt ist der Haupttreiber für Speichererlöse in Bulgarien. Durch den massiven Zubau von Photovoltaikanlagen kam es bislang regelmäßig zu extremen Niedrigpreisphasen am Mittag und hohen Preisen in der Abendspitze. Der schnelle BESS-Zubau selbst wirkt diesem Muster jedoch zunehmend entgegen: Da immer mehr Batteriespeicher genau in diesem Fenster laden und entladen, steigen die Preise mittags bereits an, während die Abendspitze zunehmend gekappt wird. In der Folge lässt sich bereits heute beobachten, dass die täglichen Max-Min-Spreads im Markt sinken.
Ein weiterer Faktor, der die künftige Entwicklung der Preis-Spreads mitbestimmt, ist die zunehmende Verflechtung mit den Nachbarmärkten. Griechenland entwickelt sich zunehmend zum Solar-Powerhouse der Region mit ähnlichen Mittagsüberschüssen wie Bulgarien, was tagsüber zu einer engen Preiskopplung beider Märkte führt. Rumänien hingegen treibt die Preise in der Abendspitze eher nach oben. Zwar sind die Märkte über grenzüberschreitende Kapazitäten (Interkonnektoren) miteinander verbunden, doch reichen diese Kapazitäten immer häufiger nicht aus, um die Preise vollständig anzugleichen: Tagsüber sind Rumänien und Bulgarien meist gekoppelt, während die Preise am Abend zunehmend auseinanderlaufen.
Für bulgarische Speicherbetreiber bedeutet das: Die Abendspitze wird nicht nur durch heimischen BESS-Zubau gekappt, sondern auch durch importierte Preissignale aus Rumänien beeinflusst. Dieser Effekt kann die rein national betrachtete Verengung der Spreads teilweise abfedern.
Regelenergie
Bisher haben Batteriespeicher nur Zugang zum Markt für manuelle Frequenzwiederherstellung (mFRR).
Eine stärkere Anbindung Bulgariens an die europäischen Regelenergie-Plattformen PICASSO und MARI könnte Batteriespeichern künftig den Zugang zu Primär- und Sekundärregelleistung eröffnen.
Co-Location-Vorteile
Laut Aurora Energy Research erzielt Bulgarien bei Co-located-Projekten (Solar-PV + BESS), die in den kommenden Jahren in Betrieb gehen, einen der höchsten internen Zinsfüße (IRR) in Europa.
Durch die gemeinsame Nutzung der Netzinfrastruktur sinken die Investitionskosten (CAPEX). Zudem schützt der Speicher den Solarstrom auch vor der Marktkannibalisierung (also dem Preisverfall bei hoher solarer Einspeisung am Mittag) indem er den Strom speichert und in die profitablen Abendstunden verschiebt.
BESS-Erlösmöglichkeiten in Bulgarien auf einen Blick (Stand Juli 2026):
|
Erlösstrom |
Marktzugang für BESS |
|---|---|
Primärregelleistung (FCR) |
nein (Zugang geplant) |
Sekundärregelleistung (aFRR) |
nein (Zugang geplant) |
Tertiärregelleistung (mFRR) |
ja |
Day-Ahead Arbitrage |
ja |
Intraday-Arbitrage |
ja |
Curtailment Capture |
ja (in Co-Location) |
Kapazitätsmarkt |
nein (Markt nicht vorhanden) |
Revenue Stacking |
ja (begrenzt) |
Welche Herausforderungen gibt es auf dem bulgarischen Markt für Batteriespeichersysteme?
Trotz der beeindruckenden Wachstumszahlen von BESS in Bulgarien zeigen sich bei genauerem Hinsehen auch einige Herausforderungen:
75/25-Subventionsregel
Für geförderte Co-Location-Anlagen gilt: Mindestens 75 % der gespeicherten Energie muss vom co-located Solarpark stammen, maximal 25 % darf aus dem Netz geladen werden. Das schränkt nutzbare Ladestrategien erheblich ein, besonders wenn PV-Strom teurer ist als günstiger Nachtstrom.
Netzengpässe
An Co-Location-Standorten mit mehreren Nutzern am gleichen Netzanschlusspunkt verhindern die Netzbetreiber gleichzeitiges Laden und Entladen. Viele Anlagen sind zudem rein einspeisend ausgelegt, was die realisierbare Wertschöpfung gegenüber dem theoretischen Modell reduziert.
Regulatorische Unreife im Regelenergiebereich
Batterien haben nur Zugang zum mFRR-Markt, nicht zu aFRR oder FCR, und es existiert kein Kapazitätsmarkt. Ohne Öffnung dieser Märkte bleibt der Business Case im Kern auf Intraday- und Imbalance-Arbitrage beschränkt.
Fehlende Windkraft
Windkraft stagniert in Bulgarien seit Langem. Das bremst mittelfristig den zusätzlichen Flexibilitätsbedarf, der für Speicher relevant wäre.
Ausblick: Wie wird sich der Markt für BESS in Bulgarien weiterentwickeln?
Das Wachstumstempo für BESS bleibt in naher Zukunft hoch: Für 2026 wird eine Vervier- bis Verfünffachung der Kapazität erwartet.
Für die Erlösqualität dürften folgende Entwicklungen entscheidend sein:
- Regelleistungs-Marktöffnung: Ob und wann Bulgarien den Zugang zu aFRR und FCR öffnet, ist laut Solarplaza bislang unklar. Ohne diese Öffnung bleibt die Erlösdiversifizierung begrenzt.
- PICASSO/MARI-Grenzkupplung: Die für 2027 erwartete Balancing-Interkonnektion zwischen Rumänien, Ungarn und Bulgarien dürfte den regionalen Regelleistungs-Wettbewerb verschärfen und könnte gleichzeitig neue Marktzugänge eröffnen.
- Mögliche Lockerung der 75/25-Subventionsregel für Co-Location, die aktuell die Ladeflexibilität einschränkt.
- Aufholen bei Windkraft: Neue Wind-Projekte könnte in den nächsten Jahren erste nennenswerte neue Kapazität bringen.
Fazit: Bulgariens BESS-Markt ist attraktiv, aber anspruchsvoll
Bulgarien hat sich binnen kürzester Zeit zu einem der europäischen Spitzenreiter im Batteriespeichermarkt entwickelt. Dennoch ist der Markt anspruchsvoll: Illiquidität, regionale Preisabhängigkeiten von Nachbarländern und ein eingeschränkter Zugang zu Regelenergiemärkten wie FCR und aFRR sind reale Hürden. Wer diese Herausforderungen souverän meistert, kann sich hingegen einen entscheidenden Vorsprung in einem der dynamischsten Speichermärkte Europas sichern.
The Mobility House Energy übernimmt genau diesen Part: Als erfahrener Batteriespeichervermarkter mit umfangreicher Projekterfahrung in Bulgarien bringen wir die Werkzeuge mit, die dieser Markt braucht. Unsere Risk-Management-Tools berücksichtigen die Illiquidität Bulgariens direkt in der Optimierung. Wir stehen im engen Austausch mit dem Übertragungsnetzbetreiber und sind bereit, sobald FCR oder aFRR für Batteriespeicher geöffnet werden – gestützt auf unseren Multi-Market-Ansatz. Durch unsere lokale Präsenz und ganzheitliche Optimierung sind wir zudem bestens aufgestellt, um auch die Nachbarmärkte in Südosteuropa zu bedienen.
